In grauer Vorzeit

Einst in grauer Vorzeit . . .

…konnten die Menschen die Übergänge vom Herbst zum Winter und vom Winter zum Frühjahr nicht verstehen.

Solche Erklärungen waren auf der Grundlage ihres damaligen Wissens nicht möglich. Den jahreszeitlichen Wechsel in der Vegetation brachte man mit bösartigen oder gut-meinenden Geistern in Verbindung. So entwickelten die Stämme Europas eine Fülle von naturreligiösen Bräuchen

Bei den Ägyptern, Griechen und Römern war eine göttliche Weltordnung vorhanden. Bei den Menschen hatten die freundlich gesinnten Gottheiten das Übergewicht. Es entstanden vor allem heitere und fröhlich-ausgelassene religiöse Kulte. Prachtvolle Umzüge, groteske Tänze, heitere Bühnenspiele und die Verehrung von Weingöttern rundeten das Szenario ab.

Bei den Germanen entwickelten sich durch die nicht so günstigen Witterungsverhältnisse andere Spielformen des Winteraustreibens.

Die männliche Jugend, speziell vom Lande, entwickelte so manchen noch heute gepflegten Brauch, der mit der Ausbreitung des Christentums teilweise bekämpft oder mit der Zeit stillschweigend in den kirchlichen Fastenbeginn einbezogen wurde:

Strohbärentreiben (Herbstein), Butzenumläufe, Perchtentreiben (Tirol), Schellenrühren oder Peitschenschlagen in der alemannischen Fasnet. Ein anderes Beispiel ist das Verbrennen einer Strohpuppe in Eisenach/Thür. beim alljährlichen Sommergewinn.

Die Gedankenwelt im Mittelalter

Die Menschen des Mittelalter konnten weder lesen noch schreiben.

Ihre Intelligenz war auf einem sehr niedrigen Niveau. Sie hatten keine Möglichkeit, Vergleiche zu ziehen. Deshalb war es auch ein leichtes Spiel für die Geistlichkeit, den Menschen zu predigen, wie das göttliche Weltbild aussehe und durch einfache und verständliche Bilder zu vermitteln. Es wurde ihnen eingeredet, dass Eva mit dem Biss in den Apfel die Narrheit auf die Erde gebracht hätte.

Die Hinordnung alles Weltlichen zu Gott beherrschte nicht nur die Armen, sondern auch die privilegierte Bevölkerung bis hin zum Adel. Deshalb war für die Menschen des Mittelalter die Narrheit allgegenwärtig. Aus diesem Grund wurde der Narr sinnbildlich auch mit dem Tod gleichgestellt. Beide, der Tod und der Narr, sollten an die Vanitas des Menschen erinnern. Es gibt viele Bilder aus dem Mittelalter, die eine allegorische Bedeutung aufweisen. Der Narr hält sich im Hintergrund und gibt seine Meinung zu dem Geschehen.

Mit der Zahl 11 wurde sinnbildlich die Narrheit im Mittelalter dargestellt. Ferner wurden auch Menschen, die sich außerhalb der 10 Gebote und des christlichen Sittengesetzes stellten, wie Sarazenen, Türken und Heiden, weil sie nicht zu dem wahren und einzig richtigen Glauben übertreten wollten, dem Narren gleichgestellt.

Im Mittelalter hatte jeder Stand seine bestimmte Tracht, angefangen vom Adel über den Klerus, die verschiedenen Berufe bis hin zum Bauern. Auch farblich waren die Gewänder abgestuft, woran der jeweilige Träger nach seinem Stand erkannt werden konnte. Diese gedankliche Konzeption ist bis in das 17. Jh. zu beobachten.

Bereits in der Antike gab es Spaßmacher. Die römische Kultur hatte die griechischen Elemente des Theaters übernommen und somit auch das Spiel der Possenreißer. Diese Schelme unterhielten das Publikum vor, während der Pause und nach dem Theater mit ihren Späßen. Mit dem Untergang des römischen Reiches war die Tradition der Spaßmacher erst einmal in den Schatten der Vergessenheit geraten.

Der Hofnarr

Es wurde vermutet, dass Frankreich das Ursprungsland der Hofnarrenidee ist. Das Hofnarrentum begann in Deutschland im 12. Jahrhundert. Mystisch ist, ob die Ursprünge wirklich bei den antiken Spaßmachern zu suchen sind oder dem Zeitgeist der Kirchenmythologie entsprachen.

Mit dem Wort „Narr“ wurden alle Menschen, die entweder einen geistigen oder körperlichen Schaden hatten, einbezogen. Die mittelalterliche Weltanschauung besagte, wer nicht nach Gottesebenbild geschaffen war, verdiente es nicht in der Gemeinschaft aufgenommen zu werden (sie waren somit außerhalb der Norm) und verdienten auch keine Caritas (Nächstenliebe bzw. Wohltätigkeit). Diese Menschen waren ausgegrenzt und mussten ihren Lebensunterhalt erstehlen. „Gut“ hatten es nur die, die als Narr bei Hofe unterkamen.

Damit die Menschen als Antichristen erkannt werden konnten, mussten sie an ihrer Kleidung ein Glöckchen tragen. Diese Glöckchen finden Sie heute noch in verkleinerter Ausführung an den Narrenkappen.

Die „Hofnarren“ waren der Willkür der Hofschranzen aus-gesetzt. In der Zeit vom 13. bis 15. Jh. erwachte das Hofnarrentum zu einer nie gekannten Hochblüte.

Dem Hofnarren wurde jetzt mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Es waren Menschen, die nicht unbedingt behindert sein mussten. Nein, es waren Menschen mit Geist und Witz. Sie traten als Berater und als Warner in Erscheinung, Belege und Geschichten sind auch heute noch vorhanden.

Für den Adel war der Hofnarr zu einem Statussymbol geworden. Im 18. Jh. schlief die Hofnarrenidee ein. Mit dem Erwachen des italienischen Stegreifspiels (16./17. Jh.), der Commedia dell’arte, begann nun eine Epoche des possenhaften Theaterspieles. Die Figuren begeisterten ganz Europa. Sie hielten auch Einzug im Zirkus, bei Bällen und brachten mit ihrem erfrischenden Humor neues Leben in die Fastnacht.

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